Die Banalität der Liebe, Köln

Wann:

Sa. | 6. Feb. | 20h

Wo:

Theater der Keller, Köln | in Karte anzeigen

Wieviel: 17 Euro. ermäßigt 12 Euro, Premiere 20 Euro
Unser Team meint

Eine Verbindung, wie sie unmöglicher und deswegen romantischer kaum sein könnte: „Die Banalität der Liebe“ erzählt von der Beziehung zwischen der Jüdin Hannah Arendt und dem nationalsozialistisch engagierten Philosophen Martin Heidegger. Nicht nur grundlegende Moral- und Wertvorstellungen trennen die beiden, auch der große Altersunterschied verhindert eine offizielle Beziehung zwischen der 18-jährigen Studentin und dem 35 Jahre alten Professor. Doch die Liebe fügt sich nicht der Logik und so werden Arendt und Heidegger trotz alledem ein Paar. Angelehnt an Arendts späteren Report über die Eichmann-Prozesse in Jerusalem, der den Untertitel „Banalität des Bösen“ trägt, erzählt eine gealterte Hannah Arendt in „Die Banalität der Liebe“ ausweichend von der Beziehung zu Heidegger. Der junge Journalist, der sie interviewt, ist zunächst fachlich-interessiert, bald aber stellt sich heraus, dass er der Sohn eines damals geschmähten, jüdischen Liebhabers ist und Anklage erhebt.

Einen Nachbericht zu "Die Banalität der Liebe" findest Du hier !
geschrieben von: Annika
Event Infos

Unsere Eröffnungspremiere - die Liebesgeschichte zwischen Martin Heidegger und Hannah Arendt

Nichts ist die Liebe,
Nichts was sie verheißt
In einer Welt wie dieser
Noch einer andren Welt...

Hannah Arendt ist die Frau, die die „Eichmann Prozesse“ für die USA dokumentierte. Sie, die Sozialwissenschaftlerin und Philosophin ist in Israel „persona non grata“, wegen ihres Ansatzes, dass der Holocaust kein Verbrechen an den Juden, sondern ein Verbrechen an der Menschheit sei. Auf Grund ihrer Haltung hätte sie 1961 zum Prozess nicht einreisen dürfen, wäre sie nicht durch eine New Yorker Zeitung dort akkreditiert gewesen. Ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ – Die Banalität des Bösen“ ist die Zusammenfassung ihrer Reportage.

Außerdem war sie die Geliebte ihres Professors Martin Heidegger, eines glühenden Vertreters des nationalsozialistischen Regimes. Achtzehn Jahre zählt sie, als sie sich in ihn verliebt, und niemals – auch in späteren Jahren nicht - hat sie ihrer Zuneigung zu ihm so ganz abgeschworen.

Als sie die Anfrage von einer israelischen Universität für ein Interview erhält, ist sie erfreut, ob der Genugtuung, auf die sie so lange gewartet hat, endlich auch in Israel als Wissenschaftlerin wahrgenommen zu werden und öffnet dem Intervie-wer bereitwillig ihre Türe. Der junge Mann erinnert sie an Rafael Mendelssohn, mit dem sie in ihrer Studienzeit eine tiefe Freundschaft verband, die letztendlich der Beziehung zu Heidegger zum Opfer fiel.

Zu Heidegger will sie sich nicht äußern, doch bald wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, in der ihr Geliebter und geistiger Ziehvater eine wesentliche Rolle gespielt hat. In Rückblenden wird die Geschichte des Verhältnisses zu ihrem Mentor wieder aufgerollt, die rasch klar machen, dass das, was der Mensch tut, nicht immer mit seiner inneren Überzeugung einher gehen muss, und das, was die vermeintliche Liebe ihm diktiert, in keinem gesellschaftspolitischen Kontext zu jedweder Moral stehen muss. Liebe ist unerklärlich und der individualistische Zusammenhang per se irrational und nicht zu hinterfragen. Für Hannah Arendt bleibt Heidegger der große Geist, der ihr die Wesenswelt der Philosophie logisch erklärt und ihr zum ersten Mal das Gefühl einer geistigen Unabhängigkeit vermittelt hat.

Sie erfährt schließlich, dass der Interviewer nicht das ist, als was er sich ausgibt. Er ist ein Geschäftsmann, der seine ureigenste Form von Vergangenheitsbewältigung betreibt. Tatsächlich ist er Rafael Mendelssohns Sohn, der die Konfrontation mit der Frau sucht, die sein Vater dereinst vergeblich geliebt hat.
Jeder Versuch einer Erklärung bleibt fragwürdig und was am Ende bleibt, ist die Banalität der Liebe – nicht mehr und nicht weniger .

Regie: Heinz Simon Keller | Ausstattung: Petra Maria Wirth
Mit: Nagmeh Alaei, Renate Fuhrmann, Markus Penne und Gerhard Roiß

Öffentliche Generalprobe: Di, 08. September, 20 Uhr (5 EUR)